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Sonntag, 23. Juni 2013

Zu Astrids Matura (Glückwunsch in Reimen)



Im Anfang war’s, das Wort, angeblich,
dessen Kraft nicht unerheblich.
Und doch gelang es Dir, die braven
Wortspender schlicht der Lügen strafen.

Und das kam so. Ungreifbar Ferne
schien zu Beginn, was allzugerne
als wicht’ger Schritt ins weit’re Leben
gewertet wird. Matura eben.

Lateinisch maturitas ‚ Reife.
Geneigter Hörer, please, begreife,
Astrid, das dritte Kind im Bunde,
der Nachzügler der letzten Stunde,

stand bis zum End‘ der achten Stufe
nicht wirklich in dem guten Rufe,
in schulisch wesentlichen Dingen
zu Ruhm und Ehr‘ sich aufzuschwingen.

Doch plötzlich macht‘ von Mund zu Munde
die wundersame Kunde Runde
- nein, nichts von bösen Ungeheuern,
nein - „Astrid geht zu Michelbeuern.“

Und heute, nach fünf kurzen Jahren
darf der Beobachter erfahren,
glaubt’s oder nicht: Es ist vollbracht,
die Reifeprüfung ist geschafft.

Fünf Jahre rurcheln, pauken, büffeln,
ein Wechselbad von Hochs und Rüffeln,
Der Lehrplan, staatlich vorgegeben,
so ist es halt, das Schülerleben.

Sie fällt jetzt ab, die Last, die schwere.
Gleichzeitig birgt der Punkt die Leere,
die jeder Maratoni kennt,
sobald er durch das Ziel gerennt.

Zuerst hat er sich abgehetzt,
Und plötzlich drängt „Was mach ich jetzt?“
Denn alles, was ein Ende nimmt,
ist auch ein Anfang. Ganz bestimmt.

Matura ist, wie andres auch,
verbunden mit dem guten Brauch,
dem, der zum Mittelpunkt geworden,
etwas zu wünschen. Sind es Orden?

Ist’s Gottes Segen? Glück auf Erden?
Ist’s Geldregen? Frei von Beschwerden?
Ist’s Sonnenschein? Ist’s wohlbehütet?
Dass jeder Wunsch sich Dir - erbrütet?

Denk mal kurz in der Zeit zurück.
Dein Unglück war manchmal Dein Glück.
Und ohne Regen Sonnenschein?
Sei mir nicht bös. Was soll das sein?

Denkst Du zurück, dann wird Dir klar,
nichts ist geblieben so wie’s war.
Und daraus folgt, sei unbeirrt,
nichts wird so bleiben wie es wird.

Das Leben, diese Reih’ von Tagen,
es stellt uns kuriose Fragen.
Matura ist ein Vorgeschmack
auf was das Leben bringen mag.

Gestellt auf diese harte Probe,
bestandest Du mit bestem Lobe.
Drum nimmermehr, Astrid, erbleiche,
bist Du gestellt auf eine weiche (Probe).

Ich wünsche Dir an dieser Stelle
das Wissen, dunklen folgen helle
und schweren folgen leichte Tage.
Sei‘s Dir gewiss, stell’s nicht in Frage.

Dein Weg, er wird sich winden.
Mögen sich Menschen finden,
die Dich dabei geleiten,
mit Tat und Rat begleiten.

Und denke nicht in Zeit, in trüber,
„Ach wär das alles bloß vorüber“,
denn sonst, Astrid, so ist das eben,
geht rasch vorbei Dein irdisch Leben.

Genieß‘ das Schöne sorgenfrei.
Und wenn’s mal krumm läuft, einerlei.
Finde in dem, was Dich ereilt,
das, was Dir nützt, das, was Dich heilt.

Bleib immerfort im Jetzt und Hier.
das rate und das wünsch ich Dir.
Ja. Wenn Du stehst, dann stehe,
und wenn Du gehst, dann gehe.

R@iner am 23.6.2013

Sonntag, 19. April 2009

Wär' ich ein Photon...

Wär' ich ein Photon, du denkst, ich würde reisen.
Masselos und schnurgerade durch den Raum.
Wo er gekrümmt, der Krümmung folgend.
Geradewegs und auf dich zu.
Mit Lichtgeschwindigkeit, unfassbar schnell.
Ich wüsst' es nicht, denn für mich gäb' es keine Zeit.
Kein früher und kein später, es wär' nur jetzt.
Nichts davor und nichts danach.
Ich wähnte mich unendlich lang.
Oder ist's zu dir unendlich kurz?
Ist einerlei!
Gibt's keine Zeit, gibt's keinen Raum.
Ich wäre überall zugleich, und alles wäre schwarz.
Wenn ich an etwas rührte, ich würde wechselwirken.
Wär' es die Netzthaut deines Aug's, ich wär's, der dich dann Sehen macht.
Unendlich kurz, in deinem Augenblick.

R@iner

Photon .. "Lichtteilchen"; Minimalpaket der elektromagnetischen Kraft
Lichtgeschwindigkeit ... knapp 300.000km/sec oder 1080 Millionen km/h; immer, egal, wie schnell und in welche Richtung sich der Beobachter bewegt. Und nichts ist schneller!

Donnerstag, 17. Januar 2008

Müssen

Ein Mensch, der morgens mit Verdruss
sich sagt, dass er jetzt aufsteh'n muss,
und der beim Anblick leerer Dosen
sich quält in seine Ausgehhosen,

weil er sich sagt, "Jetzt muss ich laufen,
und frische Kaffeebohnen kaufen",
läuft unentwegt wie ferngesteuert
durch diese Welt. Denn er beteuert,

dass die Kraft irgendwelcher Mächte
es wäre, die ihn dazu brächte,
Dinge zu tun. Es ist das Sollen,
das ihn bewegt, und nicht das Wollen.

Ein and'rer Mensch springt voll Elan
aus seinem Bett und zieht sich an.
Er will zum nächsten Laden laufen,
und frische Kaffeebohnen kaufen.

Er sagt sich, dass ein guter Morgen
es wert ist, Bohnen zu besorgen,
weil er zum Start in diesen Tag
gern einen Kaffee trinken mag.

Der Zweite weiß, dass ER entscheidet.
Er fühlt sich frei. Der Erste leidet.
Was kann ich lernen, von den beiden?
Es liegt an mir, mich zu entscheiden.

Ersetz' das Müssen ich durch Wollen,
dann ist er weg, der Zwang vom Sollen.
Durch diese neue Art zu sprechen
kann ich mit der Gewohnheit brechen,

und alles, was ich unbesehen
tat, zukünftig aktiv begehen.
Probier wie's ist, wenn du dir sagst
dass das, was du tust, du tun magst.

R@iner, 17.01.2008 (frei in Anlehnung an Eugen Roth)

Mittwoch, 16. Januar 2008

Irrtum

a Wer schätzt das schon, wenn er zum Schluss
a der Diskussion erkennen muss,
b dass das, was er mit Herz anstrebte
b die Diskussion nicht überlebte.

a Doch auch wenn's schmerzt unrecht zu haben.
b Aus Irrtum Neues zu erkennen
a ist als die beste aller Gaben
b des Lebens zweifelfrei zu nennen.

a Ja, mehr als das. Wer lebt, der irrt.
b Wer nicht irrt, lebt nicht.
b Wer weiß, dem fehlt Licht.
a Ich seh' dir's an, du bist verwirrt.

a Ich will versuchen, aufzuklären:
a Wer alles weiß, ja dem verwehren
b die fest gefassten Vorurteile
b den Blick auf's Neue. Er verweile

a jeder Beweglichkeit beraubt.
b Zur Regungslosigkeit verkommen
a hat er, unwissentlich verstaubt,
b den Tod bereits vorweggenommen.

a Nur der, der irrt,
b ist mit dem Leben in Kontakt.
b Weil er vom Kenntnisdrang gepackt
a nach Wissen giert.

a Kehrt sich das Wesen einer Sache
a ins Gegenteil, nimm's hin und lache.
b Kann's denn nach Täuschung schön'res geben,
b als Ent-Täuschung zu spüren? Eben.

a Gar mancher wird vom Drang getrieben,
b in Gut und Bös' zu unterscheiden.
a Doch alle, die die Wahrheit lieben
b tun gut daran, das zu vermeiden.

a Die Münze hat nur eine Seite,
b der Gegensatz ist völlig nichtig:
b Nichts ist ganz falsch, nichts ist ganz richtig.
a Auf dass dies deine Seele leite!

a Nein, das ist keine Zeiterscheinung.
a Weiß mich mit Platon einer Meinung,
b dank Sokrates gibt's den Beweis:
b Ich weiß genau, dass ich nichst weiß. (*)


(*) Nachsatz:
Das dumme an dem Satz ist nur,
er ist selbst wider die Natur:
Denn wenn ich weiß,
dass ich nichts weiß,
dann müßt' ich logisch draus ermessen,
dass ich's nicht weiß, ich hab's ... vergessen.

R@iner, 16.01.2008

Sonntag, 13. Januar 2008

Zwischentraum

Neulich hatte ich zwei Träume.
In einem ging's um Pappelbäume.
Die Bäume standen Baum an Baum
und bildeten des Waldes Saum.
Im zweiten waren es die Latten
von einem Zaun, die fahlen glatten,
die lagerten im Keller dumm.
Bloß Latten. Ohne was herum!

Du fragst warum sie dieses taten?
Nun, wenn du magst, kannst drei mal raten.
Komm! Streng dich an! Eins, zwei und drei.
Ok, tut leit. Zeit ist vorbei....
Der Saum der aufgereihten Bäume
stand wegen seiner ... Zwischenräume.
Denn gäb' es die nicht, wäre diese
Reihe bloß eine ... Blumenwiese.

Die Latten lagen längst vergessen,
weil Morgenstern profitversessen
einen Architekt erfand,
der hinterrücks und kurzerhand
den Zischenraum herausgenommen.
Der Lattenzaun war arg verkommen.
Vormals in Reih und Glied und Stolz,
verrottet' er zu Zunderholz.

Der erste und der zweite Traum
bildete einen Zwischenraum.
Der war exakt, man glaubt es kaum,
geschaffen für 'nen Zwischentraum.
Zwischenraum um Zwischenraum
verließ in diesem Zwischentraum
den heimeligen Pappelsaum
eilig in Richtung Kellerraum.

Ich sag dir, das war ein Hallo!
Die Latten waren riesig froh,
denn Zwischenraum an Zwischenraum
ergab nun einen neuen Zaun.
Allein die armen Pappelbäume
verwelkten ohne Zwischenräume.
Der Zaun stellte sich flugs auf diese
so neu entstand'ne Blumenwiese.

Und die Moral von der Geschichte:
Als Architekt nimm besser nicht e-
hern gerat'ne Zwischenräume
zum Bau deiner Behausungsträume.
Denn was als stolzer Wurf gehandelt,
hat sich zum Bumerang gewandelt
und grau und alt und pechgeplagt
bleibst du auf ewig fortgejagt.

Und den Senaten sei geraten,
die unrühmlich scheinenden Taten
von Künstlern und von Häuselbauern
ganz still und leise zu betrauern,
anstatt die Objekte, die miesen,
wegzuschließen. Nachgewiesen
sind des Senates Kellerräume
zu klein für welke Pappelbäume.

R@iner, 13.01.2008

Freitag, 11. Januar 2008

Schein und Sein

Blickst du gelassen auf die Welt,
dann hast du schnell mal festgestellt,
dass alles, was dir deucht real,
in Wirklichkeit - es ist fatal -
ist weiter nichts als blasser Schein.
Du sagst dir dann, es kann nicht sein,
denn alles, was ich glaub zu fassen,
kann ich im Grunde offen lassen.

Kaum dass ich mir ein Bild gemacht,
kommt einer, der mir rät: "Gib acht!
Nichts, was dir wahr und wirklich scheint,
ist von der Wirklichkeit geeint,
als Wahrheit unumstößlich echt."
Im Gegenteil. Ist's gut, ist's schlecht?
Oft ist er weit entfernt, der Schein,
vom echten unumstritt'nen Sein.

Nimm beispielsweise einen Mann,
der griesgrämiger nicht sein kann.
Du denkst, er ist ein alter Scherben,
der hofft, so schnell wie's geht zu sterben.
Dabei ist er, sobald die kleinen
Enkel in seiner Nähe greinen
ein Vorzeig-Opa erster Klasse,
der allerbeste in der Gasse.

Oder blick' zum Himmelszelt,
das gleichförmig umspannt die Welt.
Die Sterne scheinen regungslos.
Und doch, der Eindruck, er ist bloß
ein trügerischer Schein: Den Sternen
ist eigen, dass sie sich entfernen.
Und einige - ist's Fluch, ist's Segen -
kommen uns rasend schnell entgegen.

Oder nimm Banknoten. Geld
ist übermächtig auf der Welt.
Was steckt denn hinter den Geldscheinen,
von denen wir geduldig meinen,
sie stünden da für Wohl und Stand,
sie wär'n für Leistung gutes Pfand.
Sie wär'n für Investment bereit,
für Glück und Unabhängigkeit.

Es ist der Glaube ganz alleine,
der unscheinbare bunte Scheine
zum "Wertpapier" macht. Der Geld-Schein
ist doppelt an-greif-bar im Sein:
Zum Einen kann man ihn anfassen,
betasten, riechen, fallen lassen.
Und man kommt zweifelsfrei zum Schluss,
dass dieses Ding wohl "seien" muss.

Zum And'ren fragt man sich beklommen,
wie ist der Wert hinein gekommen?
Der Wert, der sicherstellt, dass man
sich mit dem Ding "was leisten kann".
Die Leistung, denkt man, steckt gefroren
in des Geldscheines feinen Poren.
Wie viel davon, es klingt verrückt,
steht bunt in Ziffern aufgedrückt.

Es ist der Glaube an die Kraft
der Notenbanken, der es schafft,
unser aller emsig Streben
gegen bunten Schein zu geben,
und dass zirkulierendes Geld
zum Motor wird für diese Welt-
wirtschaft. Lasst uns jetzt nicht vergessen,
man kann die Geldscheine nicht essen.

Macht's Sinn ein Leben lang zu laufen,
um diese Zettel anzuhaufen?
Wie wär's damit, sie zu benützen,
Erlebbares zu unterstützen?
Letztlich wird doch aus jedem Schein
erst dann echtes fühlbares Sein,
wenn sich die Leistung irgendwann
aus dem Papier entfalten kann.

So viel zum Geld-Schein. Doch im Grunde
hat Sein und Schein noch eine Kunde:
Egal, welches Bild wir uns machen,
es bleibt beim Schein: Schlicht alle Sachen,
die SIND bild-en wir in uns ab.
Ein-Bild-ung nennt man's kurz und knapp.
Das Substantiv (Namenwort, Nomen),
das diene uns als warnend Omen.

R@iner, 11.01.2008

Sonntag, 6. Januar 2008

Sternsinger - ein Alternativgedicht

Am Stecken pickt ein Plastikstern,
wir schnorren Kohle für den Herrn.
Wir singen falsch und ohne Stimmen
und lassen uns're Kasse klingen.

Kaspar schlingt die Schokolade
und Kekse. Nichts ist ihm zu schade.
Gebt ihm Marie, gebt ihm das Geld,
denn sonst ist's schlecht um euch bestellt.

Der Melchior kriegt auch Moneten,
denn sonst pickt er euch ungebeten
den ausgelutschten Kaugummi
selbsthaftend auf das Sesselknie!

(Äh - eigentlich heißt's Sesselbein,
doch fällt mir d'rauf kein Reim mehr ein.)

Der Baltasar, der schwarze Mann,
malt mit Kreide den Türstock an.
Gebt Pinke schnell dem feinen Pinkel,
sonst pinkelt er euch in den Winkel!

Gebt uns schnell Knete, gebt uns Moos,
dann seid ihr uns schnell wieder los.

R@iner im Jänner 1993
(Genervt von der alljährlichen Sternsingeraktion - ist Hausieren eigentlich verboten, oder nicht?)

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Limericks (2)

Es war einst ein Rainer am Attersee,
dem tat schon nach Kurzem der Großzeh weh.
Denn er joggte am Morgen
Tag für Tag ohne Sorgen.
Wie ist doch das Ausdauersporteln scheh.

-------

Es war einst ein Rainer in Frankenfurt,
der war nicht um sich zu erholen durt.
Nancy eF-Punkt, sein del,
ging ihm nicht aus dem Schädel,
obwohl ihm vor Hunger der Magen knurrt.

-------

Der Rainer war wieder in Frankenfurt,
und wieder war's nichts mit Erholen durt.
Denn der strömende Regen
war für ihn echt kein Segen,
drum er wegen der Wetterlage murrt.

R@iner, 2007

 Zu Limericks (3) geht's hier!

Dienstag, 25. Dezember 2007

Anleitung zum Unglücklichsein (die andere)

Brauchst Du einmal Weltschmerz, dann denke geschwind
ernsthaft drüber nach wie die anderen sind.

Reicht dir das noch nicht, ja dann grüble mit List,
was mit Dir nicht stimmt, wie du selber so bist.

Depression garantiert: Lass durch Deinen Kopf geh'n,
wie Du selber wohl wirkst und wie and're dich seh'n.

R@iner, 25.12.2007

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Lieber Erich

Du springst heut' über eine Grenze:
Den Wendepunkt der 30 Lenze.
"Hinauf? Hinunter? Ist die Frage.
Hör zu, was ich Dir dazu sage:

Blickst Du zurück, dann wird Dir klar,
nichts ist geblieben, ganz wie`s war.
Woraus Du logisch gleich ermißt:
Es bleibt auch nichts so, wie es ist.
Und deshalb, sicher, unbeirrt
wird nichts so bleiben wie es wird.

Mal blickst Du in der Zeit zurück
und siehst - Dein Unglück war Dein Glück.
Dann wieder kannst Du nicht versteh'n,
tritt ein, was Du vorhergeseh'n.

Siehe auch ein, denn das ist wichtig:
Nichts ist ganz falsch, und nichts ganz richtig.
Deshalb auch nicht in Zeit in trüber
denk - ach, wär' alles schon vorüber,

sonst geht dabei - das ist es eben
vorüber auch Dein kurzes Leben.

R@iner am 17.10.1987

Ein ähnliches Gedicht habe ich von meinem Vater bekommen, ob zur Matura oder zum Abschluss des Magisteriums auf der Wirtschaftsuni in Wien weiß ich nicht mehr.
Er sagte damals, es enthielte Elemente von Gedichten von E. Roth.
Das Original hab' ich verloren, aber es hat mich sehr geprägt.
Das Gedicht an meinen guten und treuen Freund Erich, habe ich in Erinnerung an das Gedicht meines Vaters nachgedichtet und adaptiert.

8 Jahre später verwendete ich Teile davon in dem Gedicht an meinen Sohn.

Neulich habe ich Erich zu seinem 50er in Frankfurt gratuliert, wo er heute lebt.
Es hat sich viel verändert, seitdem. Und das Gedicht hat nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Bescheidenheit ist eine Zier

"Bescheidenheit ist eine Zier,
doch besser lebt sich's ohne ihr."

Ob's Wilhelm Busch war, der beschlossen
hatte, die Regel unverdrossen,
zu brechen und auf ohne Dativ
hat angehängt statt Akussativ,

oder war es ein famoser
unbekannter Namenloser,
der im Schrank nicht alle Tassen,
Dativ hatte folgen lassen,

um mit diesem Griff, den netten
grammatisch falschen Reim zu retten?
Das bleibt verborgen, hier und heute,
doch merkt euch eines, liebe Leute:

Nur Künstlern bleibt es unbenommen
die Deutsche Sprache so verkommen
zu lassen und mit solchen flotten
Sprüchen der Regel arg zu spotten.

Denn richtig heißt's, vergesst das nie:
"doch besser lebt sich's ohne SIE!"

R@iner, am 19.12.2007

mit/ohne - sind modale Präpositionen (die Art und Weise betreffend).
Einige
Präpositionen erzwingen den Gebrauch des Dativs.
Die Präposition mit zieht im Deutschen stets den Dativ nach sich (Bsp. „mit dem Hund“, „mit der Nase“).
Der
Akkusativ kann durch die Rektion von Verben, Präpositionen und Adjektiven verlangt werden: Ich kann nicht ohne meinen Teddy schlafen.
Die
Deklination der Personalpronomina im Hochdeutschen sieht wie folgt aus:
Person/Numerus/Genus: Nominativ - Genitiv - Dativ - Akussativ
1. Person/Einzahl: ich - meiner - mir - mich
2. Person/Einzahl: du - deiner - dir - dich
3. Person/Einzahl/männlich: er/der - seiner - ihm - ihn
3. Person/Einzahl/weiblich: sie/die- ihrer -ihr - sie
3. Person/Einzahl/sächlich: es/das - seiner - ihm - es

Übrigens: In meinem Geburtsjahr 1957 entsprach das Wort "grammatisch", nicht der Standardsprache. Richtig wäre gewesen "grammatikalisch" . Mittlerweile hat sich das kürzere Adjektiv durchgesetzt (siehe Zwiebelfisch).


Siehe auch Aristoteles!

Freitag, 14. Dezember 2007

Die nackte Nudel

"Sieht dich 'ne nackte Nudel an,
bestreue sie mit Parmesan!"
Dies wohlgemeinter guter Rat
hat vielen Menschen in der Tat
- obgleich als Werbespot gedacht -
des Nachts schon sehr viel Spaß gebracht.

Doch was der Kühnste nicht geträumt:
Mutter Natur hat nicht versäumt,
abartiges rasch zu bestrafen.
Sie schickte Aids nicht nur den Affen
(dem Menschen und dem Pavian),
sondern nun auch dem Parmesan.

R@iner, Juni 1987

Die ersten beiden Zeilen hat mir Hans irgendwann einmal erzählt. Den Zweizeiler soll die Frau eines Funktionärs der Milchwirtschaft als Käse-Werbung vorgeschlagen haben. Hans war sichtlich amysiert.
Der Rest des Gedichts hat sich ergeben.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Wie der Vater, so der Sohn

Hört her! Der weise Vater spricht
von seines Sohnes höchster Pflicht:

"Verschiebe niemals du auf morgen
was übermorgen zu besorgen
du leicht im Stande bist, mein Sohn!"

"Welch guter Rat! Den kenn' ich schon!"
spricht Junior darauf mit List,
wo doch des Vaters Sohn er ist.

R@iner Juni 1986

Dienstag, 11. Dezember 2007

Post aus Griechenland (1)

"Wenn Griechen hinter Griechen kriechen,
kriechen Griechen Griechen nach!"
Dieses alte Griechen-Epos
einst schon Zarathustra sprach.
Oder war es frech und keck
ein Mesch von Namen Jellinek,
der denen, die zu Haus' geblieben
diese Zeilen hat geschrieben?

Dadurch bleibt ihnen ungewiß,
wie denn dort unt' das Wetter is',
und ob die drei im Griechenlande
mit hochgeschlossenem Gewande
in der kalten Stube sitzen
oder in der Sonne schwitzen.

Ein Rat den vielen Anverwandten
(Vätern, Müttern, Brüdern, Tanten):
Setzt gegen 8 euch alle hin
und lauscht andächtig Herrn Cernin (*).
Er gibt euch Antwort auf die Frage
nach unserer Großwetterlage.
Während die drei am Strande heiter
dem Urlaub fröhnen u.s.w.

(*) Cernin war damals ORF-Wettermann in den Abendnachrichten

R@iner, Juni 1987

Post aus Griechenland (2)

Wie schon damals vor zwei Jahren
sind wir nach Griechenland gefahren:
Mit Kind und Kegel nach Corfu!
Ich sag' Euch folgendes: Im nu
wußte wohl jeder hier im Land
Jelli' und Co sind auf dem Strand.

Acht Erwachsene, neun Kinder!
Das triebe selbst die heil'gen Rinder
im fernen Indien zur Rage.
Doch nur Geduld, die 20 Tage
sind leider bloß - so ist es eben -
ein Augenblick in uns'rem Leben.

R@iner, Juni 1989

Post aus Griechenland (3)

YIASOU (das heißt hallo) Ihr Lieben!
Uns bleiben ab heut' nur noch 7
Urlaubstage auf der Insel
Kreta. Das wird ein Gewinsel,
wenn zur Heimfahrt wir uns rüsten.
Schöne Ferien, ja die müßten
endlos oder länger sein.
Das wär' fein.

R@iner, Juni 1991

Kretische Strandimpressionen

Die Wellen werden panisch,
denn dort naht Winfried Janisch.
Mit seinem Surfer pflügt er's Meer.
Dann röchelt er: "Ich kann nicht mehr!"
Und ausgelaugt sinkt er am Strand
in den Sand.

R@iner, 1991(?) in Kreta

Montag, 10. Dezember 2007

Für Gretes Gästebuch (Trilogie 1.Teil)

Uns're Grete, diese Gute,
gebar den Wunsch in frohem Mute,
uns enzuladen, diese Meute,
die nichts im Kopf hat, als die Beute
(das Nahtmahl) in so großen Mengen
ohne Unterlass zu schlemmen,
dass zum Schluss unsere Mägen
das Erbrechen ernst erwägen.

Um den Gedärmen Zucht zu lernen
gab's Schnaps, um sie wieder zu wärmen.

Die Gespräche waren witzig,
auf manchen Witz der Walter grinsteee...
Viele Pointen waren spritzig,
und Uschi trank den Pfefferminztee.

Die Eva, darauf könnt Ihr wetten,
ließ sich den Kirschsekt wirklich schmecken.
Doch Schreck! Jetzt kommt des Rainers Fluch:
Die Eintragung ins Gästebuch.

Ich marterte mich schon seit Tagen.
Was reimt auf "Magen" war'n die Fragen,
etwa nur "laben" oder "klagen"?
Nie hörte ich auf, mich zu plagen,
doch Endreim fiel mir keiner ein.
Aus diesem Grund schreibe ich kein....

Gedicht, sondern einfach:
Herzlichen Dank für diesen netten Abend

R@iner, Jänner 1985

Zur Trilogie 2. Teil

Für Gretes Gästebuch (Trilogie 2.Teil)

Nun gut. Wir werden immer kecker
und laden fast schon selbst uns ein.
Beim Essen gibt es kein Gemecker,
die Gänge, die sind mehr als fein.

Zwischen Schnitzel und Moussee
grüble ich über meinen Fluch
- Ihr wißte es schon vom letzten Mal -
die Eintragung ins Gästebuch.

Mit festem Willen und Geschick
dichten wir einen Limerick:
Wenn vorsichtig die Winde weh'n,
weil Nachspeisen Gedärme bläh'n,
sag Dank für all die guten Gaben,
die Du bekamst, um Dich zu laben.
Dann ist es nähmlich Zeit zu geh'n.

Doch weil an manchen Orten
verschlossen sind die Pforten,
wenn solcherlei Gekritzel
und Gästebuch-Gewitzel

bleibt sichtbar, keine Frage,
für weitere Gelage
dann bis zum jüngsten Tage,

verzichten, noch in Gretes Gunst wir,
auf eine Probe uns'rer Kunst hier,
und tragen heute wieder kein Gedicht,
sondern was andres ein:

Herzlichen Dank für Alles!

R@iner, Juni 1985

Zur Triloge 3. Teil

Für Gretes Gästebuch (Trilogie 3.Teil)

Grete gebührt heute ein Orden,
denn was uns aufgetischt ist worden,
schlägt, wie man falsch sagt sicher nicht
dem Faß die Krone ins Gesicht,
sondern ist bei nettem Benehmen
durchaus als löblich zu erwähnen.

Doch nichts, was mit Genuß verzehrt,
im Inneren auf Ewig währt.
Drum kannst auf manchem stillen Ort
Du lesen folgend sinnig Wort:

"Alles, was ich bekam zu fassen,
hab ich euch wieder da gelassen."

Doch fragst Du Dich nun folgenschwer,
was denn das alles, bitte sehr,
zu suchen hat im Gästebuch.
Und ich gesteh' mit leisem Fluch,
daß mir das wieder mal beweist:
Das Reimen geht mir auf den Geist.

Drum schreib' ich, guter Ding' ist Drei'n,
heut' wieder kein Gedicht hinein,
sondern bloß: Super war's!

R@iner Juni 85

Zur Trilogie 4. Teil