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Sonntag, 13. Januar 2008

Zwischentraum

Neulich hatte ich zwei Träume.
In einem ging's um Pappelbäume.
Die Bäume standen Baum an Baum
und bildeten des Waldes Saum.
Im zweiten waren es die Latten
von einem Zaun, die fahlen glatten,
die lagerten im Keller dumm.
Bloß Latten. Ohne was herum!

Du fragst warum sie dieses taten?
Nun, wenn du magst, kannst drei mal raten.
Komm! Streng dich an! Eins, zwei und drei.
Ok, tut leit. Zeit ist vorbei....
Der Saum der aufgereihten Bäume
stand wegen seiner ... Zwischenräume.
Denn gäb' es die nicht, wäre diese
Reihe bloß eine ... Blumenwiese.

Die Latten lagen längst vergessen,
weil Morgenstern profitversessen
einen Architekt erfand,
der hinterrücks und kurzerhand
den Zischenraum herausgenommen.
Der Lattenzaun war arg verkommen.
Vormals in Reih und Glied und Stolz,
verrottet' er zu Zunderholz.

Der erste und der zweite Traum
bildete einen Zwischenraum.
Der war exakt, man glaubt es kaum,
geschaffen für 'nen Zwischentraum.
Zwischenraum um Zwischenraum
verließ in diesem Zwischentraum
den heimeligen Pappelsaum
eilig in Richtung Kellerraum.

Ich sag dir, das war ein Hallo!
Die Latten waren riesig froh,
denn Zwischenraum an Zwischenraum
ergab nun einen neuen Zaun.
Allein die armen Pappelbäume
verwelkten ohne Zwischenräume.
Der Zaun stellte sich flugs auf diese
so neu entstand'ne Blumenwiese.

Und die Moral von der Geschichte:
Als Architekt nimm besser nicht e-
hern gerat'ne Zwischenräume
zum Bau deiner Behausungsträume.
Denn was als stolzer Wurf gehandelt,
hat sich zum Bumerang gewandelt
und grau und alt und pechgeplagt
bleibst du auf ewig fortgejagt.

Und den Senaten sei geraten,
die unrühmlich scheinenden Taten
von Künstlern und von Häuselbauern
ganz still und leise zu betrauern,
anstatt die Objekte, die miesen,
wegzuschließen. Nachgewiesen
sind des Senates Kellerräume
zu klein für welke Pappelbäume.

R@iner, 13.01.2008

Sonntag, 6. Januar 2008

Sternsinger - ein Alternativgedicht

Am Stecken pickt ein Plastikstern,
wir schnorren Kohle für den Herrn.
Wir singen falsch und ohne Stimmen
und lassen uns're Kasse klingen.

Kaspar schlingt die Schokolade
und Kekse. Nichts ist ihm zu schade.
Gebt ihm Marie, gebt ihm das Geld,
denn sonst ist's schlecht um euch bestellt.

Der Melchior kriegt auch Moneten,
denn sonst pickt er euch ungebeten
den ausgelutschten Kaugummi
selbsthaftend auf das Sesselknie!

(Äh - eigentlich heißt's Sesselbein,
doch fällt mir d'rauf kein Reim mehr ein.)

Der Baltasar, der schwarze Mann,
malt mit Kreide den Türstock an.
Gebt Pinke schnell dem feinen Pinkel,
sonst pinkelt er euch in den Winkel!

Gebt uns schnell Knete, gebt uns Moos,
dann seid ihr uns schnell wieder los.

R@iner im Jänner 1993
(Genervt von der alljährlichen Sternsingeraktion - ist Hausieren eigentlich verboten, oder nicht?)

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Limericks (2)

Es war einst ein Rainer am Attersee,
dem tat schon nach Kurzem der Großzeh weh.
Denn er joggte am Morgen
Tag für Tag ohne Sorgen.
Wie ist doch das Ausdauersporteln scheh.

-------

Es war einst ein Rainer in Frankenfurt,
der war nicht um sich zu erholen durt.
Nancy eF-Punkt, sein Mädel,
ging ihm nicht aus dem Schädel,
obwohl ihm vor Hunger der Magen knurrt.

-------

Der Rainer war wieder in Frankenfurt,
und wieder war's nichts mit Erholen durt.
Denn der strömende Regen
war für ihn echt kein Segen,
drum er wegen der Wetterlage murrt.

R@iner, 2007

 Zu Limericks (3) geht's hier!

Samstag, 22. Dezember 2007

Goethes(?) Glieder

Gerne der Zeiten gedenk ich,
wo alle Glieder gelenkich.
Bis auf eins.

Die Zeiten kehr'n nie wieder,
steif sind alle Glieder.
Bis auf eins.

Davon gibt's im www verschiedenste Versionen.
Mir gefällt diese, weil die Zeilen knapp und das Versmaß perfekt ist.
(Manche meinen, es sei aus Goethes Feder; Vielleicht auch
Heine? Wer weiß)

Die Haustorklingel

Die Haustorklingen an der Wand,
der Mädchenbusen in der Hand,
sind Dinge, die sind nah verwandt.

Denn wenn man beides zart berührt,
man innen oben deutlich spärt,
dass draußen unten einer steht,
der inniglich um Einlass fleht.

Angeblich von Johann Wolfgang v. Goethe.
Im www gibt es zahlreiche mehr oder weniger holprigen Varianten. Das ist jene, die einer meiner Lehrer im TGM (Wien) in den 1970ern zitiet hat. Ob's das Original ist? Schwer zu sagen. Ich finde jedenfalls das Versmaß gelungen, und das Wortspiel ist einfach perfekt. Hat uns Burschen mächtig imponiert, damals. Sonst wüßt' ich's wohl kaum heute noch auswendig.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Bescheidenheit ist eine Zier

"Bescheidenheit ist eine Zier,
doch besser lebt sich's ohne ihr."

Ob's Wilhelm Busch war, der beschlossen
hatte, die Regel unverdrossen,
zu brechen und auf ohne Dativ
hat angehängt statt Akussativ,

oder war es ein famoser
unbekannter Namenloser,
der im Schrank nicht alle Tassen,
Dativ hatte folgen lassen,

um mit diesem Griff, den netten
grammatisch falschen Reim zu retten?
Das bleibt verborgen, hier und heute,
doch merkt euch eines, liebe Leute:

Nur Künstlern bleibt es unbenommen
die Deutsche Sprache so verkommen
zu lassen und mit solchen flotten
Sprüchen der Regel arg zu spotten.

Denn richtig heißt's, vergesst das nie:
"doch besser lebt sich's ohne SIE!"

R@iner, am 19.12.2007

mit/ohne - sind modale Präpositionen (die Art und Weise betreffend).
Einige
Präpositionen erzwingen den Gebrauch des Dativs.
Die Präposition mit zieht im Deutschen stets den Dativ nach sich (Bsp. „mit dem Hund“, „mit der Nase“).
Der
Akkusativ kann durch die Rektion von Verben, Präpositionen und Adjektiven verlangt werden: Ich kann nicht ohne meinen Teddy schlafen.
Die
Deklination der Personalpronomina im Hochdeutschen sieht wie folgt aus:
Person/Numerus/Genus: Nominativ - Genitiv - Dativ - Akussativ
1. Person/Einzahl: ich - meiner - mir - mich
2. Person/Einzahl: du - deiner - dir - dich
3. Person/Einzahl/männlich: er/der - seiner - ihm - ihn
3. Person/Einzahl/weiblich: sie/die- ihrer -ihr - sie
3. Person/Einzahl/sächlich: es/das - seiner - ihm - es

Übrigens: In meinem Geburtsjahr 1957 entsprach das Wort "grammatisch", nicht der Standardsprache. Richtig wäre gewesen "grammatikalisch" . Mittlerweile hat sich das kürzere Adjektiv durchgesetzt (siehe Zwiebelfisch).


Siehe auch Aristoteles!

Dienstag, 18. Dezember 2007

Zwischenraum mit Pappelbaum 1

Oh wie labend ist's am Abend
Abendbrot gegessen habend
Durch die Mitte der Natur
Zieht sich eine Pappelschnur
Links sind Bäume, rechts sind Bäume
Und dazwischen Zwischenräume
In der Mitten fliesst ein Bach
Ach!

(Ringelnatz? Morgenstern? Oder doch von Friederike Kempner? Wer weiß.)

Zwischenraum mit Pappelbaum 2

Pappelbäume, Pappelbäume,
und dazwischen Zwischenräume.
Zwischen jedem Zwischenraum
steht wiederum ein Pappelbaum.

Irgendwer irgendwann irgendwo.

Der Zwischenraum als Nichts zwischen dem, was ist, hat etwas faszinierendes.

Montag, 17. Dezember 2007

Der Bumerang (Ringelnatz)

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.

Joachim Ringelnatz

Diese Art von non sense entspricht meinem Sinn für Humor.

Zwischenraum mit Lattenzaun (Morgenstern)

Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.
Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,

Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.
Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

(Christian Morgenstern)

Die Idee, aus einem Zwischenraum etwas zu machen, fand ich schon als Jugendlicher genial.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Dunkel war's...

Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur,
als ein Wagen blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoss'ner Hase
auf dem Gehsteig Schlittschuh lief.

Und auf einer roten Parkbank,
die grün angestrichen war,
saß ein alter blonder Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm 'ne alte Schachtel,
die kaum zählte 15 Jahr',
in der Hand 'ne Buttersemmel,
die mit Schmalz bestrichen war.

Und zwei Fische liefen munter,
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter,
und der graue Tag erschien.

Dieses Gedicht, das stammt von Goethe,
als abends in der Morgenröte,
er auf seinem Nachttopf saß,
und verfaulte Äpfel aß.

Verfasser unbekannt.

Diese Juxverse sind mir als Kind - so oder ähnlich - in den 1960ern erstmals begegnet.
Die Kombination von Gegenteilen und der sich daraus ergebende Unsinn haben mich so sehr fasziniert, dass mir das Gedicht noch heute in vergnüglicher Erinnerung ist.

Freitag, 14. Dezember 2007

Die nackte Nudel

"Sieht dich 'ne nackte Nudel an,
bestreue sie mit Parmesan!"
Dies wohlgemeinter guter Rat
hat vielen Menschen in der Tat
- obgleich als Werbespot gedacht -
des Nachts schon sehr viel Spaß gebracht.

Doch was der Kühnste nicht geträumt:
Mutter Natur hat nicht versäumt,
abartiges rasch zu bestrafen.
Sie schickte Aids nicht nur den Affen
(dem Menschen und dem Pavian),
sondern nun auch dem Parmesan.

R@iner, Juni 1987

Die ersten beiden Zeilen hat mir Hans irgendwann einmal erzählt. Den Zweizeiler soll die Frau eines Funktionärs der Milchwirtschaft als Käse-Werbung vorgeschlagen haben. Hans war sichtlich amysiert.
Der Rest des Gedichts hat sich ergeben.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Wie der Vater, so der Sohn

Hört her! Der weise Vater spricht
von seines Sohnes höchster Pflicht:

"Verschiebe niemals du auf morgen
was übermorgen zu besorgen
du leicht im Stande bist, mein Sohn!"

"Welch guter Rat! Den kenn' ich schon!"
spricht Junior darauf mit List,
wo doch des Vaters Sohn er ist.

R@iner Juni 1986

Dienstag, 11. Dezember 2007

Post aus Griechenland (1)

"Wenn Griechen hinter Griechen kriechen,
kriechen Griechen Griechen nach!"
Dieses alte Griechen-Epos
einst schon Zarathustra sprach.
Oder war es frech und keck
ein Mesch von Namen Jellinek,
der denen, die zu Haus' geblieben
diese Zeilen hat geschrieben?

Dadurch bleibt ihnen ungewiß,
wie denn dort unt' das Wetter is',
und ob die drei im Griechenlande
mit hochgeschlossenem Gewande
in der kalten Stube sitzen
oder in der Sonne schwitzen.

Ein Rat den vielen Anverwandten
(Vätern, Müttern, Brüdern, Tanten):
Setzt gegen 8 euch alle hin
und lauscht andächtig Herrn Cernin (*).
Er gibt euch Antwort auf die Frage
nach unserer Großwetterlage.
Während die drei am Strande heiter
dem Urlaub fröhnen u.s.w.

(*) Cernin war damals ORF-Wettermann in den Abendnachrichten

R@iner, Juni 1987

Post aus Griechenland (2)

Wie schon damals vor zwei Jahren
sind wir nach Griechenland gefahren:
Mit Kind und Kegel nach Corfu!
Ich sag' Euch folgendes: Im nu
wußte wohl jeder hier im Land
Jelli' und Co sind auf dem Strand.

Acht Erwachsene, neun Kinder!
Das triebe selbst die heil'gen Rinder
im fernen Indien zur Rage.
Doch nur Geduld, die 20 Tage
sind leider bloß - so ist es eben -
ein Augenblick in uns'rem Leben.

R@iner, Juni 1989

Post aus Griechenland (3)

YIASOU (das heißt hallo) Ihr Lieben!
Uns bleiben ab heut' nur noch 7
Urlaubstage auf der Insel
Kreta. Das wird ein Gewinsel,
wenn zur Heimfahrt wir uns rüsten.
Schöne Ferien, ja die müßten
endlos oder länger sein.
Das wär' fein.

R@iner, Juni 1991

Kretische Strandimpressionen

Die Wellen werden panisch,
denn dort naht Winfried Janisch.
Mit seinem Surfer pflügt er's Meer.
Dann röchelt er: "Ich kann nicht mehr!"
Und ausgelaugt sinkt er am Strand
in den Sand.

R@iner, 1991(?) in Kreta

Montag, 10. Dezember 2007

Für Gretes Gästebuch (Trilogie 1.Teil)

Uns're Grete, diese Gute,
gebar den Wunsch in frohem Mute,
uns enzuladen, diese Meute,
die nichts im Kopf hat, als die Beute
(das Nahtmahl) in so großen Mengen
ohne Unterlass zu schlemmen,
dass zum Schluss unsere Mägen
das Erbrechen ernst erwägen.

Um den Gedärmen Zucht zu lernen
gab's Schnaps, um sie wieder zu wärmen.

Die Gespräche waren witzig,
auf manchen Witz der Walter grinsteee...
Viele Pointen waren spritzig,
und Uschi trank den Pfefferminztee.

Die Eva, darauf könnt Ihr wetten,
ließ sich den Kirschsekt wirklich schmecken.
Doch Schreck! Jetzt kommt des Rainers Fluch:
Die Eintragung ins Gästebuch.

Ich marterte mich schon seit Tagen.
Was reimt auf "Magen" war'n die Fragen,
etwa nur "laben" oder "klagen"?
Nie hörte ich auf, mich zu plagen,
doch Endreim fiel mir keiner ein.
Aus diesem Grund schreibe ich kein....

Gedicht, sondern einfach:
Herzlichen Dank für diesen netten Abend

R@iner, Jänner 1985

Zur Trilogie 2. Teil

Für Gretes Gästebuch (Trilogie 2.Teil)

Nun gut. Wir werden immer kecker
und laden fast schon selbst uns ein.
Beim Essen gibt es kein Gemecker,
die Gänge, die sind mehr als fein.

Zwischen Schnitzel und Moussee
grüble ich über meinen Fluch
- Ihr wißte es schon vom letzten Mal -
die Eintragung ins Gästebuch.

Mit festem Willen und Geschick
dichten wir einen Limerick:
Wenn vorsichtig die Winde weh'n,
weil Nachspeisen Gedärme bläh'n,
sag Dank für all die guten Gaben,
die Du bekamst, um Dich zu laben.
Dann ist es nähmlich Zeit zu geh'n.

Doch weil an manchen Orten
verschlossen sind die Pforten,
wenn solcherlei Gekritzel
und Gästebuch-Gewitzel

bleibt sichtbar, keine Frage,
für weitere Gelage
dann bis zum jüngsten Tage,

verzichten, noch in Gretes Gunst wir,
auf eine Probe uns'rer Kunst hier,
und tragen heute wieder kein Gedicht,
sondern was andres ein:

Herzlichen Dank für Alles!

R@iner, Juni 1985

Zur Triloge 3. Teil

Für Gretes Gästebuch (Trilogie 3.Teil)

Grete gebührt heute ein Orden,
denn was uns aufgetischt ist worden,
schlägt, wie man falsch sagt sicher nicht
dem Faß die Krone ins Gesicht,
sondern ist bei nettem Benehmen
durchaus als löblich zu erwähnen.

Doch nichts, was mit Genuß verzehrt,
im Inneren auf Ewig währt.
Drum kannst auf manchem stillen Ort
Du lesen folgend sinnig Wort:

"Alles, was ich bekam zu fassen,
hab ich euch wieder da gelassen."

Doch fragst Du Dich nun folgenschwer,
was denn das alles, bitte sehr,
zu suchen hat im Gästebuch.
Und ich gesteh' mit leisem Fluch,
daß mir das wieder mal beweist:
Das Reimen geht mir auf den Geist.

Drum schreib' ich, guter Ding' ist Drei'n,
heut' wieder kein Gedicht hinein,
sondern bloß: Super war's!

R@iner Juni 85

Zur Trilogie 4. Teil