Donnerstag, 24. Dezember 2009

Imagine

Imagine there's no Heaven
It's easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today

Imagine there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too

Imagine all the people
Living life in peace
You may say that I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will be as one


Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world

You may say that I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will live as one

( John Lennon and The Plastic Ono Band )

Dienstag, 8. Dezember 2009

Der Zauberlehrling (1827)

a Hat der alte Hexenmeister
b Sich doch einmal wegbegeben!
a Und nun sollen seine Geister
b Auch nach meinem Willen leben.
c Seine Wort’ und Werke
d Merkt’ ich, und den Brauch,
c Und mit Geistesstärke
d Thu’ ich Wunder auch.

a Walle! walle
b Manche Strecke,
b Daß, zum Zwecke,
c Wasser fließe,
a Und mit reichem vollem Schwalle
c Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwey Beinen stehe,
Oben sey ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe,
Und mit reichem vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweytenmale!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! –
Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe!
Hab’ ich doch das Wort vergessen!

Ach das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willst’s am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten,
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nun auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwey!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich athme frei!

Wehe! wehe!
Beide Theile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör’ mich rufen! –
Ach da kommt der Meister!
Herr, die Noth ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd’ ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen! Besen!
Seyd’s gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.“

GOETHE 1827
Der Klassiker! WIKISOURCE

Ein tolles Gedicht, warum erinnere ich mich erst jetzt?
Hab' es mal auswendig gelernt.
Nicht, weil ich musste, nein, weil ich wollte.
Und ich hab einmal beim Rezitieren desselben im Urlaubsquartier am Fuße der Reiteralm (Steiermark) einen Sessel zerbrochen. Nicht aus Absicht, nein, aus Begeisterung.

Der Zauberlehrling (1798)

a Hat der alte Hexenmeister,
b Sich doch einmal wegbegeben!
a Und nun sollen seine Geister
b Auch nach meinem Willen leben.
c Seine Wort und Werke
d Merkt ich, und den Brauch,
c Und mit Geistesstärke
d Thu ich Wunder auch.

a Walle! walle!
b Manche Strecke,
b Daß zum Zwecke,
c Wasser fließe,
a Und, mit reichem vollem Schwalle,
c Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen,
Bist schon lange Knecht gewesen.
Nun erfülle meinen Willen.
Auf zwey Beinen stehe,
Oben sey ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf.

Walle! walle!
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke,
Wasser fließe,
Und, mit reichem vollem Schwalle,
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweytenmale!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schaale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! Stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! –
Ach ich merk es, wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach! das Wort, worauf am Ende
Er das wird was er gewesen.
Ach er läuft und bringt behende,
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ichs lassen,
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Mine! welche Blicke!

O! du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen
Der nicht hören will!
Stock! der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willsts am Ende
Gar nicht lassen;
Will dich fassen,
Will dich halten,
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nun auf dich werfe,
Gleich, o Kobold! liegst du nieder,
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Warlich braf getroffen!
Seht er ist entzwey,
Und nun kann ich hoffen,
Und ich athme frey!

Wehe! wehe!
Beyde Theile
Stehn, in Eile,
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir ach ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen,
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen!
Ach! da kommt der Meister!
Herr, die Noth ist groß,
Die ich rief die Geister,
Werd ich nun nicht los.

„In die Ecke, Besen!
Besen! Seyds gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.“

GOETHE 1798

Der Klassiker! WIKISOURCE

Sonntag, 19. April 2009

Wär' ich ein Photon...

Wär' ich ein Photon, du denkst, ich würde reisen.
Masselos und schnurgerade durch den Raum.
Wo er gekrümmt, der Krümmung folgend.
Geradewegs und auf dich zu.
Mit Lichtgeschwindigkeit, unfassbar schnell.
Ich wüsst' es nicht, denn für mich gäb' es keine Zeit.
Kein früher und kein später, es wär' nur jetzt.
Nichts davor und nichts danach.
Ich wähnte mich unendlich lang.
Oder ist's zu dir unendlich kurz?
Ist einerlei!
Gibt's keine Zeit, gibt's keinen Raum.
Ich wäre überall zugleich, und alles wäre schwarz.
Wenn ich an etwas rührte, ich würde wechselwirken.
Wär' es die Netzthaut deines Aug's, ich wär's, der dich dann Sehen macht.
Unendlich kurz, in deinem Augenblick.

R@iner

Photon .. "Lichtteilchen"; Minimalpaket der elektromagnetischen Kraft
Lichtgeschwindigkeit ... knapp 300.000km/sec oder 1080 Millionen km/h; immer, egal, wie schnell und in welche Richtung sich der Beobachter bewegt. Und nichts ist schneller!

Samstag, 1. November 2008

Wenn die Börsenkurse fallen

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.”


Gefunden bei: Der Rote Salon - Zitat des Tages 30.10.2008

Mit Quellverweis auf Kurt Tucholsky (1890-1935), des es - so wird im Internet behauptet - 1930 in “Die Weltbühne” veröffentlicht hat.
Wer Bedenken bezüglich des Urhebers hat, findet sich bestätigt bei Onlinereport, Sudelblog und anderen.
Ich find's amysant zu lesen, deshalb ist es hier.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Müssen

Ein Mensch, der morgens mit Verdruss
sich sagt, dass er jetzt aufsteh'n muss,
und der beim Anblick leerer Dosen
sich quält in seine Ausgehhosen,

weil er sich sagt, "Jetzt muss ich laufen,
und frische Kaffeebohnen kaufen",
läuft unentwegt wie ferngesteuert
durch diese Welt. Denn er beteuert,

dass die Kraft irgendwelcher Mächte
es wäre, die ihn dazu brächte,
Dinge zu tun. Es ist das Sollen,
das ihn bewegt, und nicht das Wollen.

Ein and'rer Mensch springt voll Elan
aus seinem Bett und zieht sich an.
Er will zum nächsten Laden laufen,
und frische Kaffeebohnen kaufen.

Er sagt sich, dass ein guter Morgen
es wert ist, Bohnen zu besorgen,
weil er zum Start in diesen Tag
gern einen Kaffee trinken mag.

Der Zweite weiß, dass ER entscheidet.
Er fühlt sich frei. Der Erste leidet.
Was kann ich lernen, von den beiden?
Es liegt an mir, mich zu entscheiden.

Ersetz' das Müssen ich durch Wollen,
dann ist er weg, der Zwang vom Sollen.
Durch diese neue Art zu sprechen
kann ich mit der Gewohnheit brechen,

und alles, was ich unbesehen
tat, zukünftig aktiv begehen.
Probier wie's ist, wenn du dir sagst
dass das, was du tust, du tun magst.

R@iner, 17.01.2008 (frei in Anlehnung an Eugen Roth)

Mittwoch, 16. Januar 2008

Irrtum

a Wer schätzt das schon, wenn er zum Schluss
a der Diskussion erkennen muss,
b dass das, was er mit Herz anstrebte
b die Diskussion nicht überlebte.

a Doch auch wenn's schmerzt unrecht zu haben.
b Aus Irrtum Neues zu erkennen
a ist als die beste aller Gaben
b des Lebens zweifelfrei zu nennen.

a Ja, mehr als das. Wer lebt, der irrt.
b Wer nicht irrt, lebt nicht.
b Wer weiß, dem fehlt Licht.
a Ich seh' dir's an, du bist verwirrt.

a Ich will versuchen, aufzuklären:
a Wer alles weiß, ja dem verwehren
b die fest gefassten Vorurteile
b den Blick auf's Neue. Er verweile

a jeder Beweglichkeit beraubt.
b Zur Regungslosigkeit verkommen
a hat er, unwissentlich verstaubt,
b den Tod bereits vorweggenommen.

a Nur der, der irrt,
b ist mit dem Leben in Kontakt.
b Weil er vom Kenntnisdrang gepackt
a nach Wissen giert.

a Kehrt sich das Wesen einer Sache
a ins Gegenteil, nimm's hin und lache.
b Kann's denn nach Täuschung schön'res geben,
b als Ent-Täuschung zu spüren? Eben.

a Gar mancher wird vom Drang getrieben,
b in Gut und Bös' zu unterscheiden.
a Doch alle, die die Wahrheit lieben
b tun gut daran, das zu vermeiden.

a Die Münze hat nur eine Seite,
b der Gegensatz ist völlig nichtig:
b Nichts ist ganz falsch, nichts ist ganz richtig.
a Auf dass dies deine Seele leite!

a Nein, das ist keine Zeiterscheinung.
a Weiß mich mit Platon einer Meinung,
b dank Sokrates gibt's den Beweis:
b Ich weiß genau, dass ich nichst weiß. (*)


(*) Nachsatz:
Das dumme an dem Satz ist nur,
er ist selbst wider die Natur:
Denn wenn ich weiß,
dass ich nichts weiß,
dann müßt' ich logisch draus ermessen,
dass ich's nicht weiß, ich hab's ... vergessen.

R@iner, 16.01.2008

Sonntag, 13. Januar 2008

Zwischentraum

Neulich hatte ich zwei Träume.
In einem ging's um Pappelbäume.
Die Bäume standen Baum an Baum
und bildeten des Waldes Saum.
Im zweiten waren es die Latten
von einem Zaun, die fahlen glatten,
die lagerten im Keller dumm.
Bloß Latten. Ohne was herum!

Du fragst warum sie dieses taten?
Nun, wenn du magst, kannst drei mal raten.
Komm! Streng dich an! Eins, zwei und drei.
Ok, tut leit. Zeit ist vorbei....
Der Saum der aufgereihten Bäume
stand wegen seiner ... Zwischenräume.
Denn gäb' es die nicht, wäre diese
Reihe bloß eine ... Blumenwiese.

Die Latten lagen längst vergessen,
weil Morgenstern profitversessen
einen Architekt erfand,
der hinterrücks und kurzerhand
den Zischenraum herausgenommen.
Der Lattenzaun war arg verkommen.
Vormals in Reih und Glied und Stolz,
verrottet' er zu Zunderholz.

Der erste und der zweite Traum
bildete einen Zwischenraum.
Der war exakt, man glaubt es kaum,
geschaffen für 'nen Zwischentraum.
Zwischenraum um Zwischenraum
verließ in diesem Zwischentraum
den heimeligen Pappelsaum
eilig in Richtung Kellerraum.

Ich sag dir, das war ein Hallo!
Die Latten waren riesig froh,
denn Zwischenraum an Zwischenraum
ergab nun einen neuen Zaun.
Allein die armen Pappelbäume
verwelkten ohne Zwischenräume.
Der Zaun stellte sich flugs auf diese
so neu entstand'ne Blumenwiese.

Und die Moral von der Geschichte:
Als Architekt nimm besser nicht e-
hern gerat'ne Zwischenräume
zum Bau deiner Behausungsträume.
Denn was als stolzer Wurf gehandelt,
hat sich zum Bumerang gewandelt
und grau und alt und pechgeplagt
bleibst du auf ewig fortgejagt.

Und den Senaten sei geraten,
die unrühmlich scheinenden Taten
von Künstlern und von Häuselbauern
ganz still und leise zu betrauern,
anstatt die Objekte, die miesen,
wegzuschließen. Nachgewiesen
sind des Senates Kellerräume
zu klein für welke Pappelbäume.

R@iner, 13.01.2008

Freitag, 11. Januar 2008

Schein und Sein

Blickst du gelassen auf die Welt,
dann hast du schnell mal festgestellt,
dass alles, was dir deucht real,
in Wirklichkeit - es ist fatal -
ist weiter nichts als blasser Schein.
Du sagst dir dann, es kann nicht sein,
denn alles, was ich glaub zu fassen,
kann ich im Grunde offen lassen.

Kaum dass ich mir ein Bild gemacht,
kommt einer, der mir rät: "Gib acht!
Nichts, was dir wahr und wirklich scheint,
ist von der Wirklichkeit geeint,
als Wahrheit unumstößlich echt."
Im Gegenteil. Ist's gut, ist's schlecht?
Oft ist er weit entfernt, der Schein,
vom echten unumstritt'nen Sein.

Nimm beispielsweise einen Mann,
der griesgrämiger nicht sein kann.
Du denkst, er ist ein alter Scherben,
der hofft, so schnell wie's geht zu sterben.
Dabei ist er, sobald die kleinen
Enkel in seiner Nähe greinen
ein Vorzeig-Opa erster Klasse,
der allerbeste in der Gasse.

Oder blick' zum Himmelszelt,
das gleichförmig umspannt die Welt.
Die Sterne scheinen regungslos.
Und doch, der Eindruck, er ist bloß
ein trügerischer Schein: Den Sternen
ist eigen, dass sie sich entfernen.
Und einige - ist's Fluch, ist's Segen -
kommen uns rasend schnell entgegen.

Oder nimm Banknoten. Geld
ist übermächtig auf der Welt.
Was steckt denn hinter den Geldscheinen,
von denen wir geduldig meinen,
sie stünden da für Wohl und Stand,
sie wär'n für Leistung gutes Pfand.
Sie wär'n für Investment bereit,
für Glück und Unabhängigkeit.

Es ist der Glaube ganz alleine,
der unscheinbare bunte Scheine
zum "Wertpapier" macht. Der Geld-Schein
ist doppelt an-greif-bar im Sein:
Zum Einen kann man ihn anfassen,
betasten, riechen, fallen lassen.
Und man kommt zweifelsfrei zum Schluss,
dass dieses Ding wohl "seien" muss.

Zum And'ren fragt man sich beklommen,
wie ist der Wert hinein gekommen?
Der Wert, der sicherstellt, dass man
sich mit dem Ding "was leisten kann".
Die Leistung, denkt man, steckt gefroren
in des Geldscheines feinen Poren.
Wie viel davon, es klingt verrückt,
steht bunt in Ziffern aufgedrückt.

Es ist der Glaube an die Kraft
der Notenbanken, der es schafft,
unser aller emsig Streben
gegen bunten Schein zu geben,
und dass zirkulierendes Geld
zum Motor wird für diese Welt-
wirtschaft. Lasst uns jetzt nicht vergessen,
man kann die Geldscheine nicht essen.

Macht's Sinn ein Leben lang zu laufen,
um diese Zettel anzuhaufen?
Wie wär's damit, sie zu benützen,
Erlebbares zu unterstützen?
Letztlich wird doch aus jedem Schein
erst dann echtes fühlbares Sein,
wenn sich die Leistung irgendwann
aus dem Papier entfalten kann.

So viel zum Geld-Schein. Doch im Grunde
hat Sein und Schein noch eine Kunde:
Egal, welches Bild wir uns machen,
es bleibt beim Schein: Schlicht alle Sachen,
die SIND bild-en wir in uns ab.
Ein-Bild-ung nennt man's kurz und knapp.
Das Substantiv (Namenwort, Nomen),
das diene uns als warnend Omen.

R@iner, 11.01.2008

Sonntag, 6. Januar 2008

Sternsinger - ein Alternativgedicht

Am Stecken pickt ein Plastikstern,
wir schnorren Kohle für den Herrn.
Wir singen falsch und ohne Stimmen
und lassen uns're Kasse klingen.

Kaspar schlingt die Schokolade
und Kekse. Nichts ist ihm zu schade.
Gebt ihm Marie, gebt ihm das Geld,
denn sonst ist's schlecht um euch bestellt.

Der Melchior kriegt auch Moneten,
denn sonst pickt er euch ungebeten
den ausgelutschten Kaugummi
selbsthaftend auf das Sesselknie!

(Äh - eigentlich heißt's Sesselbein,
doch fällt mir d'rauf kein Reim mehr ein.)

Der Baltasar, der schwarze Mann,
malt mit Kreide den Türstock an.
Gebt Pinke schnell dem feinen Pinkel,
sonst pinkelt er euch in den Winkel!

Gebt uns schnell Knete, gebt uns Moos,
dann seid ihr uns schnell wieder los.

R@iner im Jänner 1993
(Genervt von der alljährlichen Sternsingeraktion - ist Hausieren eigentlich verboten, oder nicht?)

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Limericks (2)

Es war einst ein Rainer am Attersee,
dem tat schon nach Kurzem der Großzeh weh.
Denn er joggte am Morgen
Tag für Tag ohne Sorgen.
Wie ist doch das Ausdauersporteln scheh.

-------

Es war einst ein Rainer in Frankenfurt,
der war nicht um sich zu erholen durt.
Nancy eF-Punkt, sein Mädel,
ging ihm nicht aus dem Schädel,
obwohl ihm vor Hunger der Magen knurrt.

-------

Der Rainer war wieder in Frankenfurt,
und wieder war's nichts mit Erholen durt.
Denn der strömende Regen
war für ihn echt kein Segen,
drum er wegen der Wetterlage murrt.

R@iner, 2007

 Zu Limericks (3) geht's hier!

Dienstag, 25. Dezember 2007

Anleitung zum Unglücklichsein (die andere)

Brauchst Du einmal Weltschmerz, dann denke geschwind
ernsthaft drüber nach wie die anderen sind.

Reicht dir das noch nicht, ja dann grüble mit List,
was mit Dir nicht stimmt, wie du selber so bist.

Depression garantiert: Lass durch Deinen Kopf geh'n,
wie Du selber wohl wirkst und wie and're dich seh'n.

R@iner, 25.12.2007

Sonntag, 23. Dezember 2007

Von meinem Vater - zur Sponsion

Gestellt auf eine harte Probe
Bestandest Du mit höchstem Lobe.
Drum nimmermehr, mein Sohn, erbleiche,
Bist Du gestellt auf eine weiche.

Blickst Du zurück, dann wird Dir klar,
Nichts ist geblieben, ganz wie's war.
Woraus Du logisch gleich ermisst,
Es bleibt auch nichts so wie es ist
und deshalb - sicher - unbeirrt
Wird nichts so bleiben wie es wird.

Mal siehst Du in der Zeit zurück
und siehst, Dein Unglück war Dein Glück.
Dann wieder kannst Du nicht verstehn
Tritt ein, was Du vorhergesehn.

Drum sie auch ein -
und das ist wichtig
Nichts ist ganz falsch -
und nichts ganz richtig.

Deshalb auch nicht in Zeit in trüber
Denk - Ach, wär alles schon vorüber -
Sonst geht dabei -das ist es eben -
Vorüber auch Dein kurzes Leben.

Karl J. 23. März 1983

Das ist es, das Original, das ich von meinem Vater anlässlich meiner Sponsion zum mag. rer. soc. oec. an der Wirtschaftsuniversität Wien geschenkt bekommen habe. Er hat mir damals gesagt, es wäre stark an Eugen ROTH angelehnt.
Es hat mich sehr berührt, dass mir mein Vater ein solches Gedicht zum Geschenk machte, ich hatte keine Sekunde mir einer solchen Auszeichnung gerechnet.
Das Gedicht hat mich stark geprägt. Auch wenn das Schriftstück verloren gegangen ist, die Aussagen mitsamt den Reimen haben mich begleitet, und sind mir weit öfter ins Gedächtnis gefallen, als er sich das wohl träumen würde lassen.
Zum 30er meines lieben Freundes Erich und später anlässlich der Matura meines Sohnes Cristof habe ich Teile davon in eigenen Gedichten (Lieber Erich, An meinen Sohn) eingebaut, um diesen beiden mir wichtigen Menschen ein ähnliches Geschenk zu machen.
Ich hätte weit mehr Anlässe gehabt, die Reime weiter zu geben, aber die Sorge, durch Widerholung abzunützen, hat mich wohl daran gehindert.

Heute, am Vorweihnachtstag 2007, ist das Gedicht im Kreise meines Bruders und meiner Eltern zum Gespräch geworden, und siehe da, mein Vater, heute 77, kramte eine Kopie aus seiner Ablage. Ich freu' mich!

Samstag, 22. Dezember 2007

Goethes(?) Glieder

Gerne der Zeiten gedenk ich,
wo alle Glieder gelenkich.
Bis auf eins.

Die Zeiten kehr'n nie wieder,
steif sind alle Glieder.
Bis auf eins.

Davon gibt's im www verschiedenste Versionen.
Mir gefällt diese, weil die Zeilen knapp und das Versmaß perfekt ist.
(Manche meinen, es sei aus Goethes Feder; Vielleicht auch
Heine? Wer weiß)

Die Haustorklingel

Die Haustorklingen an der Wand,
der Mädchenbusen in der Hand,
sind Dinge, die sind nah verwandt.

Denn wenn man beides zart berührt,
man innen oben deutlich spärt,
dass draußen unten einer steht,
der inniglich um Einlass fleht.

Angeblich von Johann Wolfgang v. Goethe.
Im www gibt es zahlreiche mehr oder weniger holprigen Varianten. Das ist jene, die einer meiner Lehrer im TGM (Wien) in den 1970ern zitiet hat. Ob's das Original ist? Schwer zu sagen. Ich finde jedenfalls das Versmaß gelungen, und das Wortspiel ist einfach perfekt. Hat uns Burschen mächtig imponiert, damals. Sonst wüßt' ich's wohl kaum heute noch auswendig.

Schüttelreime (1)

Leidvoller Ausruf eines Schwammerlsuchers (Pilzesammlers),
der kürzeste Schüttelreim, der mir jemals begegnet ist, vorneweg:

Wo bist,
Bovist?

Harry kennt einen, der hat nur 1 Zeichen mehr:

Du bist
Buddhist.

Gefolgt von 2 tiefsinnigen 4 zeiligen, über die Einfalt des Homo Sapiens:

Die Boxer in der Meisterklasse
die hauen sich zu Kleistermasse.
Und aus dem ganzen Massenkleister
erhebt sich stolz der Klassenmeister.

Im tiefen Wald die weisen Affen,
die brauchen keine Eisenwaffen.
Doch dir - oh Mensch - die Waffeneisen
den Weg zurück zum Affen weisen.

Und jetzt ein paar seicht einfältige:

Hüllen, die fallen, füllen die Hallen.
Ich geh' jetzt in den Birkenwald,
denn meine Pillen wirken bald.

Im Schlachthaus sieht man Schweine beben,
und im Ballett die Beine schweben.

und zum Abschluss einer von Otto Waalkes:

Er würgte eine Klapperschlang',
bis ihre Klapper schlapper klang.

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Lieber Erich

Du springst heut' über eine Grenze:
Den Wendepunkt der 30 Lenze.
"Hinauf? Hinunter? Ist die Frage.
Hör zu, was ich Dir dazu sage:

Blickst Du zurück, dann wird Dir klar,
nichts ist geblieben, ganz wie`s war.
Woraus Du logisch gleich ermißt:
Es bleibt auch nichts so, wie es ist.
Und deshalb, sicher, unbeirrt
wird nichts so bleiben wie es wird.

Mal blickst Du in der Zeit zurück
und siehst - Dein Unglück war Dein Glück.
Dann wieder kannst Du nicht versteh'n,
tritt ein, was Du vorhergeseh'n.

Siehe auch ein, denn das ist wichtig:
Nichts ist ganz falsch, und nichts ganz richtig.
Deshalb auch nicht in Zeit in trüber
denk - ach, wär' alles schon vorüber,

sonst geht dabei - das ist es eben
vorüber auch Dein kurzes Leben.

R@iner am 17.10.1987

Ein ähnliches Gedicht habe ich von meinem Vater bekommen, ob zur Matura oder zum Abschluss des Magisteriums auf der Wirtschaftsuni in Wien weiß ich nicht mehr.
Er sagte damals, es enthielte Elemente von Gedichten von E. Roth.
Das Original hab' ich verloren, aber es hat mich sehr geprägt.
Das Gedicht an meinen guten und treuen Freund Erich, habe ich in Erinnerung an das Gedicht meines Vaters nachgedichtet und adaptiert.

8 Jahre später verwendete ich Teile davon in dem Gedicht an meinen Sohn.

Neulich habe ich Erich zu seinem 50er in Frankfurt gratuliert, wo er heute lebt.
Es hat sich viel verändert, seitdem. Und das Gedicht hat nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Bescheidenheit ist eine Zier

"Bescheidenheit ist eine Zier,
doch besser lebt sich's ohne ihr."

Ob's Wilhelm Busch war, der beschlossen
hatte, die Regel unverdrossen,
zu brechen und auf ohne Dativ
hat angehängt statt Akussativ,

oder war es ein famoser
unbekannter Namenloser,
der im Schrank nicht alle Tassen,
Dativ hatte folgen lassen,

um mit diesem Griff, den netten
grammatisch falschen Reim zu retten?
Das bleibt verborgen, hier und heute,
doch merkt euch eines, liebe Leute:

Nur Künstlern bleibt es unbenommen
die Deutsche Sprache so verkommen
zu lassen und mit solchen flotten
Sprüchen der Regel arg zu spotten.

Denn richtig heißt's, vergesst das nie:
"doch besser lebt sich's ohne SIE!"

R@iner, am 19.12.2007

mit/ohne - sind modale Präpositionen (die Art und Weise betreffend).
Einige
Präpositionen erzwingen den Gebrauch des Dativs.
Die Präposition mit zieht im Deutschen stets den Dativ nach sich (Bsp. „mit dem Hund“, „mit der Nase“).
Der
Akkusativ kann durch die Rektion von Verben, Präpositionen und Adjektiven verlangt werden: Ich kann nicht ohne meinen Teddy schlafen.
Die
Deklination der Personalpronomina im Hochdeutschen sieht wie folgt aus:
Person/Numerus/Genus: Nominativ - Genitiv - Dativ - Akussativ
1. Person/Einzahl: ich - meiner - mir - mich
2. Person/Einzahl: du - deiner - dir - dich
3. Person/Einzahl/männlich: er/der - seiner - ihm - ihn
3. Person/Einzahl/weiblich: sie/die- ihrer -ihr - sie
3. Person/Einzahl/sächlich: es/das - seiner - ihm - es

Übrigens: In meinem Geburtsjahr 1957 entsprach das Wort "grammatisch", nicht der Standardsprache. Richtig wäre gewesen "grammatikalisch" . Mittlerweile hat sich das kürzere Adjektiv durchgesetzt (siehe Zwiebelfisch).


Siehe auch Aristoteles!

Dienstag, 18. Dezember 2007

Zwischenraum mit Pappelbaum 1

Oh wie labend ist's am Abend
Abendbrot gegessen habend
Durch die Mitte der Natur
Zieht sich eine Pappelschnur
Links sind Bäume, rechts sind Bäume
Und dazwischen Zwischenräume
In der Mitten fliesst ein Bach
Ach!

(Ringelnatz? Morgenstern? Oder doch von Friederike Kempner? Wer weiß.)

Zwischenraum mit Pappelbaum 2

Pappelbäume, Pappelbäume,
und dazwischen Zwischenräume.
Zwischen jedem Zwischenraum
steht wiederum ein Pappelbaum.

Irgendwer irgendwann irgendwo.

Der Zwischenraum als Nichts zwischen dem, was ist, hat etwas faszinierendes.